VORSICHT vor falschen HANDWERKERN und dubiosen NACHRICHTEN

Leiter der Kriminalprävention München sprach bei der SPD zum Thema Trickbetrug

„Die Polizei kommt niemals bei Ihnen vorbei und holt Geld ab“, versicherte Kriminaloberrat Arno Helfrich den Gästen, die auf Einladung von Ruth Müller, MdL und Stadträtin Anja König ins Café Isartürl gekommen sind, um den Leiter der Kriminalprävention München zu hören. Müller berichtete in der Begrüßung, dass die Zahlen von Trickbetrügen in Stadt und Landkreis Landshut stark steigen. Dies untermauerte sie mit Zeitungsberichten aus den vergangenen Monaten. Ihr war es deshalb wichtig, eine solche Veranstaltung zu organisieren, damit die Zuhörer die Tipps persönlich hören und nicht nur über Radio, Fernsehen und Internet.

Besondere Sorge bereiten der Polizei sogenannte Schockanrufe. Dabei geben sich die Anrufer als Polizei oder Staatsanwaltschaft aus und behaupten beispielsweise, dass ein Angehöriger einen tödlichen Unfall verursacht hat und nur gegen Kaution freigelassen wird. Helfrich betonte, dass das deutsche Strafrecht keine Kautionszahlungen vorsieht. Die Masche zielt darauf ab, die Geschädigten so zu schocken, dass die Kontrollmechanismen im Gehirn überlistet werden. Auch wenn bevorzugt ältere Menschen im Visier der Betrüger sind, macht Helfrich deutlich, dass es jeden treffen kann. Allein in Stadt und Landkreis München sei im vergangenen Jahr ein Schaden von rund acht Millionen Euro durch Schockanrufe entstanden. Die Polizei zählte 5410 Delikte – durchschnittlich alle zwei Stunden schnappte also irgendwo die Falle zu.

Als weiteres Beispiel für Trickbetrug nennt Helfrich den „falschen Handwerker“, der beispielsweise wegen eines Wasserschadens klingelt, um nachzusehen, ob auch die darunterliegende Wohnung betroffen ist. Lässt man den Handwerker ins Haus, sorgt dieser unbemerkt dafür, dass die Tür einen Spalt offenbleibt, so dass ein Komplize nach Geld und Wertgegenständen suchen kann, während der vermeintliche Schaden untersucht wird. Eine ähnliche Masche ist der Besuch der „neuen Nachbarn“ mit selbstgebackenem Kuchen. Lässt man die angeblichen Mitbewohner gutmütig ins Haus, muss irgendwann einer der beiden auf die Toilette und nutzt die Gelegenheit für den geplanten Diebstahl. Helfrich rät daher, „wirklich niemanden in die Wohnung zu lassen, den man nicht kennt. Auch nicht die Polizei. Im Zweifel die 110 wählen und nachfragen, ob die Beamten vor der Tür den Auftrag dazu haben.“ In diesem Zusammenhang weist Helfrich daraufhin, dass die Polizei selbst nie mit der 110 anruft.

Eine weitere Masche sei der SMS- oder WhatsApp-Betrug. Hierbei wird Bekanntschaft oder Verwandtschaft vorgetäuscht und behauptet, dass sich, etwa wegen Verlust oder Diebstahl, die Handynummer geändert hat. In mehreren Nachrichten wird Nähe aufgebaut und irgendwann um Geld gebeten, beispielsweise für den Ersatz des gestohlenen Handys oder einen neuen Kühlschrank, der wegen gesperrter Karte oder einem anderen erfundenen, aber gut vorgetäuschten Grund, nicht bezahlt wird. „Im Zweifel rufen Sie bei der Ihnen bekannten Rufnummer an und erkundigen sich. So wird die Lüge schnell als solche entlarvt.“ Auch hier sei der finanzielle Schaden enorm. In Stadt und Landkreis München lag er vergangenes Jahr bei etwa 1,7 Millionen Euro, berichtete Helfrich.

Stadträtin Anja König bedankte sich – nachdem dieser alle Fragen beantwortet hatte – bei Arno Helfrich für seinen Vortrag. Sie sei froh, dass er sich die Zeit dafür genommen habe und verband das mit der Hoffnung, dass der eine oder andere der Zuhörer dadurch vielleicht vor einem Trickbetrug bewahrt wird. König betonte aber auch, dass es zwar gut sei ein „gesundes Misstrauen“ zu entwickeln, man aber trotzdem den Blick für wirklich hilfsbedürftige Menschen in seinem Umfeld nicht aus den Augen verlieren dürfe.

Foto:
Karin Hagendorn

 

 

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